Chronik

Unsere Chronik aus über 30 Jahren

Das Blaue Band der Spree
Der 7. April 1973 war für viele Berliner ein ganz gewöhnlicher Sonnabend, doch für die Tanzinteressierten der Stadt sollte es ein historischer Tag werden: Mit dem "1. Berliner Tanzkarussell um das Blaue Band der Spree" hatte in der Schöneberger Sporthalle eine Veranstaltung Premiere, die sich über Jahre hinweg einer stetig steigenden Beliebtheit erfreuen sollte und die heutzutage aus dem deutschen Tanzsportkalender gar nicht mehr wegzudenken ist. Es gibt kaum eine andere Sportveranstaltung in Berlin, die solch eine Kontinuität über Jahrzehnte hinweg vorweisen kann und zu der an einem Wochenende so viele Sportler aus ganz Deutschland zum Wettkampf kommen. Lassen Sie uns einen Rückblick auf die Geschichte des "Blauen Bandes" werfen. Über 30 Jahre, mehr als 100 Veranstaltungstage oder mehr als 1.500 Stunden Tanzturniere sind nicht komplett abzuhandeln, doch soll im folgenden anhand einzelner markanter Jahre versucht werden, die Entstehung und die Erfolgsstory des "Blauen Bandes" nachzuzeichnen.

Die Idee: Alles unter einem Dach
Die grundlegende Idee, in Berlin ein großes, über die Grenzen der - seinerzeit geteilten - Stadt hinaus bekanntes Tanzturnier auszurichten, wurde bereits 1971 geboren. Horst Feilke, damaliger Sportwart des Berliner Tanzclubs Grün-Gold, wollte zwei Gedanken miteinander vereinigen: Einerseits war der Wunsch vorhanden, ein Turnier zu organisieren, an dem alle Startklassen an einem Ort gemeinsam teilnehmen können. Andererseits schien sich nun, da das Viermächteabkommen über den Status Berlins verabschiedet war und Transit-Reisen durch die damalige DDR geregelt wurden, der Einfall verwirklichen lassen, den durch die Insel-Lage geprägten -(West-)Berliner Paaren den lange ausgebliebenen sportlichen Vergleich mit den Kollegen aus der Bundesrepublik zu ermöglichen und Berlin überhaupt als Tanzsportzentrum bekannt zu machen. Zusammen mit Kurt Richter, dem Vorsitzenden des Grün-Gold, gründete Feilke 1972 das Turnier; Klaus Koch, der Vorsitzende der "Vereinigung Berliner Clubs für Amateurtanzsport" (VBCA), Vorgänger des heutigen Landestanzsportverbandes (LTV), war sofort begeistert und genehmigte das Vorhaben. Veranstalter des Turniers sollte dabei nicht die VBCA, sondern allein der Club Grün-Gold werden. Als Berlinbezug sollte die Spree in der Bezeichnung vorkommen, diese zieht sich wie ein Band durch die Stadt und ihr Wasser ist blau. So simpel entstand der Begriff "Blaues Band der Spree", der durch den Zusatz "Berliner Tanzkarussell" - beim Tanzen dreht man sich schließlich, ebenso wie ein Karussell sich dreht - erweitert wurde. Durch einen engen Kontakt zum Sport- und Bäderamt konnte die bereits durch andere Tanzturniere bekannt gewordene Sporthalle Schöneberg am Sachsendamm als zukünftige Heimat des "Blauen Bandes" gewonnen werden.

Die Premiere
Die erste Durchführung sollte als "Probelauf" dienen, es wurden "nur" 15 Startklassen eingeladen. Als Rahmenprogramm wurde ein Städtekampf Berlin gegen Hamburg, die Berliner Landesjugendmeisterschaft und eine Formationen-Tanzschau geboten. Nach diversen Vorbereitungsstunden wurde schließlich am Sonnabend, den 7. April 1973das "Berliner Tanzkarussell um das Blaue Band der Spree" gestartet. Insgesamt 15 Wertungsrichter, zehn aus Berlin und fünf aus der Bundesrepublik, wechselten sich bei der Beurteilung der Paare ab. Aufgrund einer kleinen Panne - das Turnier der A-Standard-Klasse musste wegen falscher Zusammensetzung einer Runde noch einmal begonnen werden - endete der erste Abend des "Blauen Bandes" erst gegen 1 Uhr nachts. Am Sonntag wurde schon um 10 Uhr angefangen, die Latein-Konkurrenzen standen auf dem Programm. Die Tribünen waren voll besetzt, die Stimmung in der Halle war so herausragend, dass der Turnierleiter die Zuschauer um Mäßigung bitten musste, weil die Musik nicht mehr zu hören war. Als Sieger in B-Latein konnte sich übrigens Berlins späteres Spitzenpaar Max-Ulrich Busch/Renate Hilgert feiern lassen, Berliner Jugendmeister wurden Uwe Schröter/Gabriele Herder vom gastgebenden Club Grün-Gold. Den abschließenden Höhepunkt bildete am Abend der Städtekampf der S-Klasse, den Hamburg mit 3:1 gegen Berlin gewann. Hier tanzten so bekannte Paare wie das Ehepaar Führer gegen das Ehepaar Steirl, das - in geliehenen Kleidern - einspringen musste, da das Berliner Meisterpaar Marschall wegen einer Verletzung nicht starten konnte. Die Bilanz der Premiere konnte sich sehen lassen. 192 Paare, darunter 120 aus der Bundesrepublik, nahmen an den 15 Wettbewerben teil. Auf jeden Fall sollte im folgenden Jahr das 2. Tanzkarussell um das Blaue Band der Spree stattfinden, das Feilke und Richter in Angriff nahmen. Schon damals hatte die Veranstaltung Dimensionen, die ein Verein allein kaum bewältigen konnte. Um die benötigte große Zahl an Helfern zu gewinnen, fragte der Grün-Gold bei allen großen Berliner Tanzclubs nach Helfern an, deren Mitglieder auch bereitwillig mitmachten, die Federführung verblieb jedoch beim Grün-Gold. 1974 nahmen auch die Hauptgruppen S-Standard und Latein am Blauen Band teil; vier Turnierleiter teilten sich die Moderation, neben Klaus Koch und Kurt Richter agierten Dieter Keller und Heinz Pfitzinger, insgesamt standen 25 Wertungsrichter zur Verfügung. "Zeitweise glaubte man sich zu einem Turnier nach Duisburg versetzt", war in alten Aufzeichnungen zu lesen angesichts der Lautstärke der auswärtigen Fans, die zuhauf in Reisebussen nach Berlin kamen. Bei 14 Einzelturnieren konnten insgesamt 227 Starts - eine Steigerung um 20 Prozent - verbucht werden. Die Erfolgsgeschichte des Tanzkarussells setzte sich in den weiteren Jahren mit kontinuierlich steigenden Starterzahlen fort.

Das erste Jubiläum
Für die fünfte Auflage des Berliner Tanzkarussells ging die Veranstaltung zum ersten und vorläufig einzigen Mal nicht über zwei, sondern über volle vier Tage: von Donnerstag, Himmelfahrt, bis zum folgenden Sonntag, vom 19. bis 22. Mai 1977. Als besonderes Bonbon sollte gerade den auswärtigen Paaren die Gelegenheit gegeben werden, in jeder Startklasse zweimal tanzen zu können, so dass das Blaue Band - inklusive der drei Sonderklassenturniere - auf die Rekordzahl von insgesamt 27 Wettbewerben kam. Auch ein ansprechendes Rahmenprogramm abseits der Tanzfläche hatten die Veranstalter auf die Beine gestellt: Am Himmelfahrtstag ging es zunächst auf eine Stadtrundfahrt mit Bussen quer durch Berlin. Eröffnet wurde das "5. Berliner Tanzkarussell" am Abend. Anschließend gab es im "Haus des Tanzes" in der Bundesallee eine stimmungsvolle Eröffnungsparty für alle Teilnehmer. Der Freitagvormittag stand ganz im Zeichen einer Dampferfahrt, und es ging es mit einer überwältigenden Schar tanzbegeisterter Sportler über die Berliner Gewässer. Die Zusammengehörigkeit aller möglichen Turnierklassen – grundlegende Idee des Blauen Bandes - konnte eindrucksvoll demonstriert werden, Jung und Alt, Berlin und Westdeutschland, alle kamen zusammen zum lockeren Plausch. Anschließend wurden die "normalen" Turniere ausgetragen, wieder in der Sporthalle Schöneberg. Am Sonnabend fanden allein elf Turniere statt, auch schon mit geschachtelten Runden, und alle auf einer Tanzfläche! Als krönender Abschluss wurden am Sonntagnachmittag die Sonderklassen-Turniere ausgetragen, die allerdings bei weitem noch nicht so stark besetzt waren wie heutzutage. Doch alles in allem wurden die Erwartungen weit übertroffen: Die sensationelle Zahl von 657 startenden Paaren wurde in den vier Tagen erreicht; eine Zahl, die vorläufig nicht zu übertreffen war.

Die wilden Jahre
1979 wurde die Schöneberger Halle wegen Umbauarbeiten geschlossen! Für das "verflixte siebente Jahr" musste eine neue Turnierstätte gefunden werden. Ende Mai fand das Tanzkarussell schließlich im Tanzstudio Dieter Keller im Ku-Damm-Karree statt. Hier vergnügte man sich zwar in exquisiter Lage, aber auf engem Raum. Die Veranstaltung wurde kaum bekannt gemacht, sie ließ einfach keine großen Paar- und Zuschauerzahlen zu, zwangsläufig ergaben sich geringe Startfelder und das Niveau der Premierenveranstaltung von 1973 wurde nur knapp übertroffen. Doch der Grün-Gold um Kurt Richter ließ sich nicht unterkriegen und fand einen Ausweg. 1980 machte das Blaue Band wieder positive Schlagzeilen und erhielt einen besonderen Anreiz dadurch, dass zum ersten Mal im Rahmen des Tanzkarussells DTV-Ranglistenturniere stattfanden, und zwar gleich drei Stück. Hierbei handelte es sich um eine Testphase; die Ranglisten-Serie, wie sie heute existiert, wurde erst 1990 eingeführt. Am 17. Mai durfte Turnierleiter Heinz Pfitzinger vor guter Zuschauerkulisse sowohl die Paare in S-Standard (22 Teilnehmer) und S-Latein (22) als auch die Senioren S (33) zum Kampf um Ranglistenpunkte begrüßen. Den Standardwettbewerb gewannen Rainer Sprechert/Janet-Christin Marmulla vom Blau-Weiß-Silber Berlin und in Latein Horst Beer/Andrea Lankenau von der TSG Bremerhaven. Drei Tage lang drehte sich das Karussell 1980, vom Freitag nach Himmelfahrt bis zum Sonntagabend. Das im Vorjahr entstandene Platzproblem wurde ansatzweise dadurch gelöst, dass auch in den Räumen des Berliner Tanzsportclubs (btc) am Oranienplatz in Kreuzberg getanzt wurde. Erstmalig wurde so ein zweiter Club neben dem Grün-Gold in die Ausrichtung des Blauen Bandes einbezogen, und der Gedanke eines zentralen Turnierortes musste zunächst leider aufgegeben werden. Die Beteiligung, vor allem der westdeutschen Paare, lag wieder erheblich höher als im Vorjahr. Die wiedergewonnene Attraktivität des Blauen Bandes wurde 1981 jedoch jäh zerstört. 1981 war das Jahr, in dem Kurt Richter als langjähriger Vorsitzender des Grün-Gold abgelöst wurde, wie sich aber später zeigen sollte, nur für zwei Jahre. Den neuen Verantwortlichen fehlte jedoch die Erfahrung, und das führte letztendlich dazu, dass das für Ende Mai 1981 geplante Blaue Band wegen einer versäumten Turnieranmeldung zunächst gar nicht stattfinden konnte! Die gesamte und mittlerweile schon traditionelle Veranstaltung fiel jedoch nicht aus, sondern wurde schließlich nur um vier Monate verschoben. Vom 18. bis 20. September drehte sich das Tanzkarussell wieder bei Dieter Keller im Kudamm-Karree und auch im Rathaus Friedenau, wo der Ahorn-Club Berlin erstmals unterstützend eingriff und zwei Standard-Turniere ausrichtete und 22 Wettbewerbe wurden angeboten. Ein weiterer Höhepunkt des Blauen Bandes sollte das zehnjährige Jubiläum im Jahr 1982 werden. Der Grün-Gold - an der Spitze nun mit dem Vorsitzenden Burkhard Hammer - hatte sich einige Überraschungen ausgedacht: Zum ersten Mal sollte das Berliner Tanzkarussell über die Pfingstfeiertage stattfinden, wie beim fünfjährigen Jubiläum über vier Tage hinweg vom 28. bis 31. Mai. Die Rekordzahl von sage und schreibe 35 Einzelturnieren wurde angekündigt. Ein gutgemeinter Artikel in der April-Ausgabe des Tanzspiegels mit der Überschrift "Berlin ist mehr denn je eine Reise wert" sollte ungeahnte Folgen haben. Berlin und das Blaue Band der Spree wurden als das Erlebnis überhaupt angepriesen, samt diversen Hinweisen für die westdeutschen Tanzsportfreunde, wie man denn am besten in die "Weltstadt mit Herz" anreist. Viele, viele auswärtige Paare (550 insgesamt) meldeten sich beim Grün-Gold für die vier tollen Tage an und bescherten dem Veranstalter ein Teilnehmerfeld, das bisher nie gekannte Dimensionen annahm: Am Ende wurden fast 900 Starts gezählt, beinahe dreimal so viel wie im Jahr zuvor! Dass dies nicht ohne Komplikationen ablaufen konnte, war eigentlich klar... An zwei Tagen wurde im Prälat Schöneberg getanzt, und zwar erstmals auf zwei nebeneinanderliegenden Tanzflächen, so dass einzelne Turniere parallel angesetzt werden konnten. Das Wunschprinzip der zentralen Turnierstätte konnte so erfolgreich wiederbelebt werden. An den zwei übrigen Tagen wurde wieder das Ku-damm-Karree genutzt. Am ersten Tag ging der dritte und letzte Wettbewerb der S-Lateiner mit eineinhalb Stunden Verspätung zu Ende. Das große Chaos brach dann am Sonnabend aus und über den Ausrichter herein. Erste Startzeit war 14 Uhr, insgesamt zwölf Turnierklassen - je zwei gleichzeitig tanzend - sollten laut Zeitplan bis 23 Uhr ihre Runden absolviert haben. Doch aufgrund des großen Andrangs waren Verzögerungen an der Tagesordnung, gepaart mit mangelnder Organisation und zu wenig vorhandenen Helfern. Stunde um Stunde geriet der Ablauf aus den Fugen, Paare warteten auf den Treppen und liefen sich gegenseitig über den Haufen, Schiedsgericht und Turnierleiter verloren den Überblick. Den Sieger der S-Standard-Klasse feierte man gegen 5 Uhr morgens! Am Sonntag drohte durch die lückenhafte Annahme der Startbücher, unverständliche Lautsprecherdurchsagen und die Uneinsichtigkeit einzelner Turnierleiter trotz der verständlichen Proteste der Paare sogar ein Boykott des Turniers von Tänzern und Wertungsrichtern. Es wurde schließlich doch noch zu Ende getanzt... Nach dem Abschluss des Tanzkarussells hagelte es Proteste. Dem Veranstalter Grün-Gold blieb nur übrig, sich "bei allen Teilnehmern und Gästen ausdrücklich zu entschuldigen" und Besserung im nächsten Jahr zu geloben. Man sei durch die Menge der Teilnehmer, die erst kurz vor Turnierbeginn feststand, einfach überfordert gewesen und hätte nicht noch Meldungen nach Meldeschluss annehmen dürfen. Als erste Konsequenz aus den unerfreulichen Vorgängen übernahm wieder Kurt Richter den Vorsitz des Clubs. Und für das kommende Jahr wurde alles wieder eine Nummer kleiner geplant.

Der Neuanfang
Für das erste Juni-Wochenende 1983 wurde das 11. Berliner Tanzkarussell wieder nach dem alten Muster geplant. Pro Startklasse sollte es nur einen Start geben, als Turnierort kam nur das Ku-damm-Karree in Frage. Der Zeitplan wurde bewusst über drei Tage gestreckt, und er wurde exakt nach Vorplanung eingehalten. Nur 15 Turniere standen auf dem Programm. 1984 wurden wieder Doppelstarts insbesondere für die auswärtigen Paare angeboten. Zudem stand einmalig wieder die Sporthalle Schöneberg nach ihrem Umbau zur Verfügung, zwar mit nicht optimalem Parkett, auf dem nicht gestreut werden durfte, aber mit großzügigem Platzangebot. Also gab es die doppelte Anzahl von Turnieren, nämlich 30, an nur drei Tagen. Ein neues Konzept bezüglich der Veranstaltungsorganisation wurde geboren. Nach den Erfahrungen des Jahres 1982 wurde beschlossen, dass der Grün-Gold diese Riesenveranstaltung nicht allein ausrichten solle, sondern zusammen mit weiteren Berliner Tanzclubs. Der Ahorn-Club und der btc waren ja schon locker eingebunden, und zusammen mit dem Blau-Weiß-Silber wurden so drei Co-Ausrichter gefunden. Turnierleitung, Protokoll, Startbuchannahme und Helfereinsatz wurden für die einzelnen Startklassen delegiert, so dass für jedes der einzelnen Turniere die Verantwortung bei einem Club lag und einfach koordiniert werden konnte. 786 Paare hatten für die drei Tage Mitte Mai gemeldet. Das sich anschließende Lob für die Veranstalter sollte für noch größere Dimensionen im nächsten Jahr sorgen. Das 13. Berliner Tanzkarussell wurde im wahrsten Sinne des Wortes weiträumiger. Da wieder keine große Sporthalle für die Austragung aufzutreiben war, wurden die einzelnen Turniere dezentral organisiert. Am 4. und 5. Mai 1985, also an nur zwei Tagen, wurde die erst im Jahr 2003 überbotene Rekordzahl von 40 Wettbewerben angeboten. Etwa 700 Starts konnte dieses "neue" Tanzkarussell vorweisen.

Der letzte Umzug
Kaum war das 13. Blaue Band der Spree Geschichte, wurden die Überlegungen konkretisiert, die Veranstaltung mit neuem Schwung zu beleben und sie wieder an einem zentralen Ort durchzuführen. Mit dem neu entstandenen Sport- und Freizeitzentrum Siemensstadt am Rohrdamm war eine optimale Turnierstätte gefunden worden, in der auch Turniere in den zuletzt gewohnten Größenordnungen bewältigt werden konnten. 1986 war auch das Jahr, in dem sich die im Prinzip bis heute bestehende Veranstaltergemeinschaft formierte: Der Olympia Tanzklub als Hausherr war ebenso dabei wie das Gründungsmitglied Grün-Gold, dazu kamen der Ahorn-Club und der Schwarz-Weiß. Erstmals standen drei Flächen in zwei Sporthallen zur Verfügung, die gleichzeitig genutzt werden konnten. Vier Tage lang sollte sich von nun an das Tanzkarussell drehen. 888 Starts konnten vor Turnierbeginn gemeldet werden, auch die Zeitungen berichteten von diesem Großereignis, und noch eine Besonderheit förderte dieses 14. Tanzkarussell zu Tage: Erstmals wurde eine blaue Siegerschärpe mit der Aufschrift "Blaues Band der Spree" vergeben! Das beste Paar über zehn Tänze in der S-Klasse erhielt damals diesen begehrten Preis, die ersten Träger kamen aus Berlin und hießen Matthias Förster/Jeanette Walter vom Blau-Weiß-Silber. In den folgenden Jahren wurde das erfolgreiche Konzept beibehalten, es gab nur noch kleine Veränderungen. Im Zuge der 750-Jahr-Feier der Stadt Berlin kamen 1987 noch mehr Tänzerinnen und Tänzer zum Blauen Band der Spree nach Berlin, 1988 wurde das Tanzkarussell zum ersten Mal über die Feiertage von Karfreitag bis Ostermontag ausgetragen. Und noch eine Neuerung gab es in diesem Jahr zu vermelden: Erstmals wurde in der großen Halle - wie heute - auf zwei Parkettflächen getanzt, die eigens für die vier Turniertage gelegt wurden. Mit 986 Starts in nun 40 Turnierklassen - alle S-Klassen wurden zweifach ausgetanzt - wurde die magische Tausender-Grenze knapp verfehlt. 1990, das Jahr eins nach der Maueröffnung, bescherte dem 18. Berliner Tanzkarussell nicht nur 895 startende Paare, sondern auch zwei DTV-Ranglistenturniere vor imposanten Zuschauerkulissen: Sieger und Träger des Blauen Bandes wurden in S-Standard André und Astrid Groger (Blau-Weiß-Silber) sowie in S-Latein Laurens Mechelke/Nicole Roy (Askania Berlin). Den Durchbruch gab es 1991 zu melden: Mit 1.124 Starts wurde erstmals in der Geschichte des Berliner Tanzkarussells ein vierstelliger Wert erzielt. Zum 20jährigen Jubiläum im Jahr 1992 konnten neue Rekorde verbucht werden: 1.259 Starts von Paaren, die im Sportzentrum Siemensstadt um 38 Turniersiege tanzten, 1993 waren es schon 1.272 Starts. Der Blaue-Band-Boom hielt ungebrochen an, die steigenden Teilnehmerzahlen stellten die Veranstaltergemeinschaft jedes Mal vor neue Anforderungen. Die Ranglistenturniere erfreuten sich weiter zunehmender Beliebtheit - man bedenke, dass in frühen Jahren die beiden S-Klassen-Turniere in einer knappen halben Stunde abgewickelt wurden! Uns so ging es auch die Jahre danach weiter aufwärts.

Im neuen Jahrtausend
Das Blaue Band des Jahres 2000 war das erste ohne den Mitbegründer Kurt Richter. Fast 30 Jahre lang prägte das Engagement und Wirken Kurt Richters diese Veranstaltung. Er verstarb wenige Monate vor der Veranstaltung und man gedachte seiner mit einer Gedenkminute zu Beginn der Ranglistenturniers S-Standard. Dieses Turnier bot den Nervenkitzel eines DM-Finals – vier Finalisten der Vorjahres-DM zählten zum 107-paarigen Startfeld. Noch später sprachen viele Zuschauer von einem der besten Ranglistenfinals aller Zeiten. Es siegten schließlich die deutschen Vize-Meister Marcus Weiß/Anja Schramm (Hamburg) vor den Titelträgern Sascha und Natascha Karabey (Frankfurt). Rund 900 Zuschauer verfolgten am Sonnabend die Endrunde und ebenso viele kamen einen Tag später zur Lateinrangliste, die einmal mehr vom Lokalmatadoren Oliver Seefeldt dominiert wurde. Er konnte bei der Siegerehrung zum vierten Male das Blaue Band an seiner Partnerin (wie im Vorjahr Eva Wartjes) bewundern. Die weiteste Anreise nach Berlin hatte ein Seniorenpaar aus den USA. Insgesamt waren 1912 Startmeldungen (bei 1842 Starts) eingegangen. Ein Jahr später wurde die 2000er-Grenze erreicht, sowohl bei Startmeldungen als auch bei Starts. Beim Blauen Band 2001 starteten 2031 Paare aus fünf Nationen in 45 Turnieren. Und mit den Jahren ergaben sich auch Veränderungen bei den ausrichtenden Vereinen: Der Ahorn-Club schloss sich als Tanzsportabteilung dem Polizeisportverein an, und bald darauf fusionierte der Grün-Gold mit dem Berliner Tanzsportclub zur Tanzsportabteilung in der Turngemeinde in Berlin. Zuletzt wurde aus dem Olympia Tanzklub und dem Schwarz-Weiß Berlin 1922 der OTK Schwarz-Weiß 1922 im Sport Club Siemensstadt. Erstmals kam 2001 auch ein neues Logo zum Einsatz: Kurz und markant und natürlich in blau steht es seitdem für diese bedeutende Tanzsportveranstaltung. 2002 blieb das Blaue Band im Latein-Ranglistenturnier wieder in Berlin und bei einem der ausrichtenden Vereine: Die Deutschen Jugendmeister, Denys Drozdyuk/Polina Kolodizner vom Ahorn-Club, gewannen vier Wochen nach ihrem Aufstieg in die Sonderklasse und eine Woche nach dem 4. Platz bei der Sonderklasse-DM Latein bei ihrem ersten Ranglistenturnier auch gleich die Konkurrenz in Siemensstadt. Insgesamt konnten bei der 30. Auflage des Blauen Bandes 2039 Starts in 41 Turnieren verzeichnet werden; das Blaue Band für die beste Lateindame blieb wiederum in Berlin: Sabina Kaminskaja überzeugte zusammen mit ihrem Partner Arkady Polezhaev (Blau-Silber) das siebenköpfige Wertungsgericht voll und ganz. Die DM-Dritten des Jahres gewannen mit allen Bestwertungen am Ostersonntag. Parallel dazu wurde erstmals beim Blauen Band Boogie Woogie getanzt: Seit 1984 etablierte sich - ebenfalls zu Ostern - das Berliner Rock-n-Roll-Wochenende. Schnell wurde aus einem kleinen Boogie Woogie Sportturnier (Boogie-Cup 1984) eine vollständige Wochenendveranstaltung, deren Tradition im Jahr 2000 leider abrupt beendet war, da sich für das Folgejahr keine ausrichtenden Vereine fanden. 2003 kam es dann erstmals zu einer in dieser Form noch nicht da gewesene Kooperation von mehreren Vereinen, dem Landestanzsportverband Berlin, dem Berliner Rock-n-Roll Tanzsportverband und dem Blauen Band. Doch leider beendeten die sinkenden Boogie Woogie-Paarzahlen in Deutschland nach zwei Jahren die von den Zuschauern begeistert aufgenommene Ergänzung. 2004 gewannen in der ersten Stunde des Ostersonntags die amtierenden Deutschen Meister in den Standardtänzen Sascha und Natascha Karabey (Frankfurt) gegen halb eins in der Frühe bei insgesamt 102 gestarteten Paaren das Ranglistenturnier des Blauen Bandes in Berlin. Im Vorjahr mussten die beiden Geschwister wegen einer Verletzung ihre Teilnahme kurzfristig absagen und hatten fest versprochen, 2004 nach langer Pause wieder vor dem Berliner Publikum zu tanzen. Insgesamt machten 2154 startende Paare das 32. Blaue Band zum größten, das es bis dahin je gab. 2005 dann der große Sprung – das Blaue Band wurde international. Drei IDSF-Weltranglistenturniere ergänzten das Turnierprogramm. Jeweils an den Abenden starteten Paare aus mehreren Nationen bei den Turnieren der Senioren I S (gleichzeitig DTV-Ranglistenturnier), Senioren Latein und Senioren II S. Dass die jeweilige deutsche Spitze am Start war, ist fast selbstredend und so konnte mit Volker Schmidt/Ellen Jonas (Wetzlar) wieder ein amtierendes Weltmeisterpaar über die Ostertage in Berlin begrüßt werden. 2006 blieb diese Turnierkonstellation der Weltranglistenturniere bestehen und 2007 kam dann das Weltranglistenturnier der IDSF International Open Standard dazu, das erstmals am Freitag den ganzen Tag in der großen Halle beherrschte: vormittags die Vorrunden, anschließend der Hoffnungslauf und abends die Zwischen- und Endrunden. Die Sieger der 154 startenden A- und S-Paare waren die Russen Ivan Novikov und Margarita Klimenko. Seit 2008 hat auch der Lateinsektor nachgezogen und das Blaue Band bietet seither auch ein Weltranglistenturnier als IDSF International Open Latin an, das den gesamten Ostersonntag über geht.

Thorsten Süfke / Marc-Oliver Wille / Karsten Joppe / Thomas Klingenberg